Versetzt der Glaube Berge?

Von Johannes Frank

Der Bus | Foto: Dietz
Der Bus | Foto: Dietz

Theater Hof | „Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ hält in Regensburg

Eine grauenvolle Nacht für Erika: Sie will eigentlich
nach Tschenstochau zur Schwarzen Madonna pilgern, ist aber in
den falschen Bus gestiegen und wird nun vom Busfahrer Hermann
in einem Waldstück in den Bergen als blinder Passagier drangsaliert.
Das Stück „Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ von Lukas
Bärfuss gab das Theater Hof unter der Regie von Kristoffer Keudel.
Das Stück strotzt vor Gewalt, die vor allem von dem brutalen Hermann
ausgeübt wird. Aber auch die anderen Reisegäste schließen
Erika aus, wollen sie für ihre Zwecke einspannen und verstoßen sie
schließlich. Der Tankwart Anton mit seiner abgelegenen Tankstelle
stellt eine utopische Zuflucht für die Gestrandete dar. Sie steht aber
unter hohem Zeitdruck, da sie in ihrer Vision erfahren hat, dass
ein Unglück geschehen werde, wenn sie nicht am nächsten Tag in
Tschenstochau sei. Das hat ihr ein Engel gesagt. Die Religiosität teilt
Erika mit „der Dicken“, die Erikas Glauben einsetzen will, um den
schwer kranken und unter Schmerzen leidenden Herrn Kramer Linderung
zu verschaffen.
Das ist die Problemstellung, die das Stück bietet. Aber die Konstellation
geht nicht auf. Nicht die Beziehungen kommen auf die Bühne,
man sieht nicht die Spannungsverhältnisse zwischen den Figuren.
Sie stehen seltsam isoliert da. Philipp Brammer als Hermann
schleudert Schimpfworte nur so um sich, schaufelt auf der Bühne
ein Grab für Erika, der er die Hand gebrochen hat und die er umbringen
will. Am Ende ist er total blutverschmiert. Diese Gewalt jedoch
läuft ins Leere. Er gibt den rohen Charakter, ist aber blind für sein
Gegenüber. Er spielt laut und brutal, aber er trifft nicht den richtigen
Ton. Auch für die anderen Schauspieler trifft es zu, dass sie nicht
zusammenspielen, sondern jeder für sich. Daher zieht sich das
überlange Stück (2 Stunden 55 Minuten) hin. Es wird ja auch keine
Entwicklung gezeigt, die Figuren und die Handlung bleiben statisch.
Eine fast drei Stunden lange Beschreibung der Unterbrechung einer
Busfahrt wegen eines blinden Passagiers, das schleppt.
In diesem Stück versetzt der Glaube keine Berge. Es wird die Ausweglosigkeit
einer im wahrsten Sinne des Wortes verfahrenen Situation
dargestellt. Die Engstirnigkeit der Figuren, die verbohrte
Religiosität, der Ausschluss einer Einzelnen, das erinnert stark an
„Jagdszenen aus Niederbayern“. Die mit Vorurteilen und Parolen
aufgeladene Spießigkeit des Busfahrers und der Reisenden steht
im krassen Gegensatz zur rätselhaften Unschuldigkeit der verirrten
Erika (Susanna Mucha), die weinerlich das Opferlamm gibt. Das
Stück, das eigentlich Potential gehabt hätte, wurde auf eine Gewaltorgie
heruntergebrochen. Müde und enttäuscht ging ich nach
Hause.

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